Gartner Magic Quadrant “EFSS” 2015

24. Juli 2015 09:41 Uhr  |  Dr. Ulrich Kampffmeyer  |  Permalink


Gartner hat am 22. Juli den Magic Quadrant für EFSS "Enterprise File Synchronization and Sharing" veröffentlicht. Das Team um Monica Basso, Charles Smulders und Jeffrey Mann hat die Lösungen von Accellion, Acronis, Blackberry, Box, Citrix, Ctera Networks, Dropbox, Egnyte, Google, Huddle, Intralinks, Microsoft, Syncplicity, Thru, Varonis und VMware analysiert.

Die Studie kann wie immer bei verschiedenen beteiligten Anbietern heruntergeladen werden. Im Folgenden haben wir wichtige Ergebnisse aus unserer Sicht zusammengefasst.

Der Gartner MQ EFSS wurde zum zweiten Mal veröffentlicht und berücksichtigt in dem 38seitigen Bericht die Entwicklungen von Enterprise File Synchronization and Sharing – und damit jenseits der traditionellen Gartner Quadranten für ECM, EMM, Archivierung und anderen. Kern von EFSS sind vor Ort oder in der Cloud installierte Lösungen um Dateien, Dokumente, Bilder, Videos etc. über verschiedene Plattformen wie Web, Mobil-Telefone, Tablets, PCs und andere Devices zu speichern, synchronisieren, teilen und verteilen. Zusätzliche Merkmale sind Collaboration und Sicherheitsfunktionen. 

Die EFSS-Definition stützt sich auf die Eigenschaften "Mobility" mit Apps, Web-Browser-Unterstützung, Sicherheit bei Übertragung und Speicherung, einfache Administration mit Einbindung von Standard-Berechtigungssystemen, Integration von Back-End-Servern und Schnittstellen, "Content Manipulation" mit Editieren und Annotationen, "Collaboration" mit dokumentenorientierten Prozessen, Einfachheit und Intuitivität sowie Unterstützung zentraler Repositories und Cloud-Speicher. Als typische Architekturen werden Public Cloud, Hybrid Cloud, Private Cloud und On-Premise beschrieben. Hierfür werden zwei Arten von Lösungen definiert: "Destinations" sind Stand-alone-Produkte und "Extensions" sind Erweiterungen anderer Systeme. Der diesjährige MQ fokussiert sich mehr auf "Destinations", also reine EFSS-Produkte,  und lässt Zusatzkomponenten zu anderen Lösungen außen vor. Im Vergleich mit dem ersten EFSS Quadranten 2014 (siehe auch EIM Update 2015) entfielen so die Anbieter Alfresco, EMC, Hightail, IBM, Novell, ownCloud und Workshare. Neu hinzukamen Ctera Networks, Syncplicity, Thru und Varonis. Interessant ist Syncplicity, da es ein junger Spin-Off vom EMC ist und so quasi EMC im MQ ersetzt. Der Bericht führt auch eine Reihe von "Destinations"-Produkten auf, die es nicht in den Quadranten geschafft haben wie Awdoc, Barracuda Networks, Biscom, BitTorrent, Boardvantage, Boole Server, CloudMe, Code42, Covata, Cortado, Hightail, HighQ, Nomadesk, Oodrive, Onehub, ownCloud, SecureSafe, Soonr, SpiderOak, Symantec, TeamDrive, Vaultize und Workshare. Anbieter von "Extensions"-Systemen wie Alfresco, Druva, Globo, Good Technology, Hitachi Data Systems (HDS), IBM, Litera, Novell, OpenText, Oracle, Salesforce, SAP und andere wurden ausgeschlossen, da sie keine Stand-Alone-Lösungen anbieten. Gartner geht von derzeit ca. 140 Anbietern für EFSS aus, wobei der Kreis der Anbieter sich kontinuierlich erweitert. 

Grundlage für die Aufnahme (und die Ablehnung) in den Quadranten sind definierte Kriterien, unter anderen spezifische Produkteigenschaften wie – bereits erwähnt – File Synchronization, File Sharing, File Access, Content Manipulation, Mobile OS Diversity, Windows and Apple PCs, Security, Management and Directory Service Integration, Connectors and Standard Interfaces, Delivery Model with Cloud and On-Premise. Hibnzugehören aber auch generelle Anforderungen wie ein Lösungsangebot für Geschäftskunden, Umsatz (mehr als 10 Millionen US$ 2014), mindestens auf zwei Kontinenten vertreten sein, kommerzielles Standardprodukt, mehr als 400.000 Endanwender und mehr als 10.000 Anwender in einer Installation, Referenzen mit längerzeitiger bezahlter Nutzung und andere. Berücksichtigt wurden ferner optionale Eigenschaften wie File Transfer mit Kompression, Collaboration, Kryptografische Verschlüsselung, sichere und einfache Einrichtung des Systems, erweiterte Management-Funktionen wie auch Data Governance mit E-Discovery, Search und Audit-Trails sowie Zertifizierungen für rechtliche Anforderungen und Standards. Hieraus ergibt sich ein komplexes Bewertungsgerüst, dessen einzelne Faktoren in der Quadranten-Software von Gartner selektiert und gewichtet werden können. Der übliche veröffentlichte Quadrant ist nur eine generalistische Sicht, wo die Faktoren für die beiden Achsen "Ability to Execute Evaluation Criteria" und "Completeness of Vision" mit zahlreichen unterschiedlich priorisierten Faktoren dargestellt werden. Wie immer gilt – den ganzen Bericht lesen und nicht nur auf die Grafik blicken.

Im rechten oberen "Leader"-Segment findet sich das bekannte Box-Produkt (siehe auch unseren Beitrag "Von EFSS zu ECM"). Weniger in Deutschland verbreitet und bekannt sind Accellion, Citrix und Syncplicity. Sie besitzen ausgereifte, im Markt und bei den Anwendern akzeptierte Produkte. Accellion "Kiteworks" ist seit 2010 besonders im US-amerikanischen Markt vertreten und kqann z.B. über Amazon gehostet werden. Kiteworks ist für zahlreiche regulative Anwendungsbereiche zertifiziert und besitzt Schnittstellen zu vielen Backbone-Systemen. Box ist seit 10 Jahren am Markt und hat sich aus dem Schatten von Dropbox, besonders durch den IPO, herausgearbeitet. Durch aktuelle Partnerschaften mit IBM aber auch Integration mit Microsoft, liegt der Fokus inzwischen auf dem Geschäftskundenbereich. Box gibt es leider aber nur als Public Cloud Angebot. Citrix hat sich aus dem bekannten Desktop Virtualisation Bereich sehr stark auch in EMM und EFSS entwickelt. Citrix bietet mit  ShareFile auch Schnittstellen zu den anderen Citrix-"Zen"-Modulen an. Hierdurch lassen tief integrierte Umgebungen erstellen, die EFSS beinhalten. Dies schließt die Einbindung von StorageZones ein, dessen Zielgruppe auch in Europa zu verorten ist. Syncplicity ist ein erst vor kurzem entstandener Spin-Off von EMC (und so keiner weis genau, warum EMC eigentlich das gewinnbringende Unternehmen an einen Investor verkauft hat). Innerhalb von EMC hat Simplicity wenig Visibiltät und muss sich jetzt erst neu am Markt positionieren (und könnte bei den Gartner-Kriterien auch durchaus wieder aus dem MQ-Leader herausrutschen).        

Interessant ist das "Challengers" Segment, da sich hier drei bekannte Namen mit großer Marktmacht befinden: Dropbox, Microsoft und Google. Dropbox wurde lange Zeit fast synonym mit EFSS assoziiert. Es ist derzeit gemessen an den 400 Millionen Anwendern und ca. 8 Millionen Geschäftskunden der größte EFSS-Anbieter weltweit. Seit 2013 schwenkt Dropbox mehr und mehr in den Bereich der geschäftlichen Kunden, da sich hier ein Bezahl-Modell durchsetzen lässt (die meisten Anwender nutzen Dropbox kostenfrei). Mit der breiten Standard-Schnittstelle für die zahlreichen Anbindungen, Apps und Integrationen ist Dropbox immer noch einer der Taktgeber für EFSS. Ein Hindernis für Dropbox könnte die Beschränkung auf US-amerikanische Rechenzentren mit dem Public Cloud Modell werden. Microsoft mit seinen Standard-Komponenten Exchange, Sharepoint und Office ist nicht nur die am Meisten bei EFSS zu integrierende Plattform sondern setzt sich strategisch selbst immer mehr in die Cloud ab. Mit OneCloud steht hier eine tief in die Windows-Welt integrierte ausgelagerte Speicher und EFSS-Funktionalität zur Verfügung. Mit bis zu 1 TeraByte kostenfreiem Speicher und der Integration mit Sharepoint sowie Office 365 kann Microsoft in der bestehenden Kundenbasis gut reüssieren. Google versucht auch bei EFSS seine führende Position im Web auszubauen. Mit den beiden Ansätzen "Google Apps for Work" im mobilen Cloud- Umfeld und als Stand-Alone "Google Drive for Work" werden auch Lösungen für Geschäftskunden angeboten. Die Integration in das Google-Apps-Umfeld ist ein wichtiger Motor für die Weiterentwicklung. Bei Google und bei Microsoft überwiegen daher strategisch gesehen eher die EFSS "Extensions"-als die "Destinations"-Ansätze. 

Bei den "Visionaries" finden sich Egnyte und Watchdox. Egnyte setzt auf eine offene Schnittstelle sowie auf Content Analytics zur automatischen Aufbereitung und Ordnung. Volltext- und Metadatensuche machen das System sehr komfortabel nutzbar. Der Anbieter Watchdox wurde erst kürzlich von Blackberry übernommen. Watchdox setzt auf zahlreiche Funktionen zu Verwalten, Bearbeiten und gemeinschaftlichen Nutzen der Inhalte. besonders für die Verwaltung von Inhalten in regulierten Branchen sei Watchdox auf Grund der Sicherheits- und Governance-Funktionen gut geeignet. Beide Unternehmen wurde – aus unterschiedlichen Gründen – berechtigt in das visionäre, innovative Segment eingeordnet.  

Der Bereich der "Niche-Player" ist wie so häufig mit zahlreichen Anbietern besetzt. Hier findet sich z.B. auch AirWatch, einer der größeren Anbieter für EMM Enterprise Mobility Management, der von VMware übernommen wurde. 

Die detaillierten Beschreibungen der Gartner-Einschätzungen mit Stärken ("Strength") aber auch mit Einschränkungen ("Cautions") sind in der Studie auf den Seiten 4 bis 23 nachzulesen. Gartner ist der Überzeugung, dass in den nächsten 5 Jahren von den Stand-Alone-EFSS-Anbietern nur noch 10% am Markt sein werden. Im Jahr 2018 ist dacvona uszugehen, dass alle ECM-, EMM-, Backup-, Recovery-, Speicher- und Collaboration-Lösungen auch EFSS-Funktionalität besitzen werden. Spätestens dann, ist EFSS Allgemeingut: "Commodity" und der Markt wird sich auf bestimmte Anbieter konzentrieren. Die Intergation mit Anwendungen und Hintergrundssystemen wie "Content Repositories" wird für die Durchdringung entscheidend sein. EFSS tritt in diesem Kontexrt an die Seite von anderen Kommunikationswegen wie E-Mail oder dem Downlaod von Informationen von spezifischen Portalen oder Unternehmensseiten. Neben der Größe der möglichen Nachrichten und der automatischen Synchronisation kommt zunehmend Collaborations-Eigenschaften eine wichtige Rolle zu. Der Wettbewerb zwingt die Anbieter von "Destinations-only" Lösungen dazu, weitere Funktionalität einzubauen (z.B. klassisches ECM) und sich über Schnittstellen mit führenden Anwendungssystemen verbinden zu lassen. EFSS kann so auch zum Bindeglied zwischen verschiedenen Cloud-Anwendungen werden. 

Im Marktüberblick beschreibt Gartner die Veränderungen der letzten 12 Monate und stellt fest, dass von Unternehmen, die EFSS mita nderen Angeboten kostenfrei bündeln, ein erheblicher Druck ausgegangen ist: Microsoft, Google, Salesforce, Amazon und Dropbox sind hier die sogenannten "Gorallas" im EFSS-Markt. Andere IT-Schwergewichte wie Oracle, HDS oder Salesforce ebenso wie Microsoft, Citrix, EMC, VMware und IBM bieten zu geringen Kosten oder auch umsonst an mit der Zielgruppe ihrer installierten Kunden- und Lösungsbasis. Für die Zukunft zeichnen sich so auch unterschiedliche Pfade ab: in den nächsten Jahren bekommen alle großen Standardanwendungen und Anwendungsumgebungen eingebettete einfache EFSS-Funktionalität. Für die Stand-Alone-"Destinations"-Anbieter bleibt dann nur Platz im Bereich der direkten Integration und in der Erweiterung ihrer Produkte in andere "Management"-Anwendungsgebiete wie ECM, EMM etc. Collaboration wird hier eine besondere Bedeutung spielen, aber auch Archivspeicherlösungen werden wichtiger.  

Gartner geht von einem EFSS-Marktvolumen von ca. 1 Milliarde US$ in 2015 aus. Da eigenständiges EFSS im Geschäftsumfeld eher geringer werden wird und durch "Extensions" der Standard-Software-Umgebung ersetzt werden könnte, sieht Gartner für 2018 ein Potential von 1,5 Milliarden US$. 

 

Dr. Ulrich Kampffmeyer

Curriculum auf Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Kampffmeyer

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